Foreign Language Fiction : Reclam Universal-Bibliothek, Nr.38, Don Karlos, Infant von Spanien

Reclam Universal-Bibliothek, Nr.38, Don Karlos, Infant von Spanien

EUR 3,00


Jedwede Tugend/ Ist fleckenfrei - bis auf den Augenblick/ Der Probe (Z. 3554ff.). - Was für ein Durcheinander der Gefühlsverirrungen! Don Karlos, der Kronprinz von Spanien, liebt die Gemahlin seines Vaters, des Königs, was den jungfräulichen Thronfolger in die Stimmung versetzt, jedwede Konsequenzen ertragen bereit zu sein: Ein Augenblick, gelebt im Paradise,/ Wird nicht zu teuer mit dem Tod gebüßt (Z. 639f.). Don Karlos wiederum wird von der Prinzessin von Eboli angehimmelt, die aber ihrerseits ein Verhältnis mit dem König selbst unterhält. Perfekte Bedingungen also, um eine klassische Tragödie auf die Bühne zu bringen. Doch der heimliche Star des Stücks ist der Marquis de Posa, seit Kindertagen ein Freund des Prinzen, der sich ein Ziel gesetzt hat: Freiheit, die Freiheit Flanderns von spanischer Besatzung.Und dazu ist er bereit, die hehren moralischen Maßstäbe, die er an die Welt anlegt, selbst zu brechen. Er arrangiert ein Treffen des Prinzen mit seiner geliebten Stiefmutter und verpflichtet ihn im Gegenzug, den König um den Oberbefehl über die spanischen Truppen in Flandern zu bitten, um sich dann auf die Seite Flandern zu schlagen. Dieser Wunsch beunruhigt auch die Vertreter der alten Ordnung in der Umgebung des Königs. So wundert sich Domingo, der Beichtvater des Königs: Er denkt!/ Sein Kopf entbrennt von einer seltsamen/ Schimäre - er verehrt den Menschen - Herzog, ob er zu unserem König taugt? (Z. 2021ff.) Es entwickelt sich ein komplexes Netz aus Intrigen, in dem sich politische und persönliche, idealistische und pragmatische Motive miteinander vermengen.Höhepunkt des Stücks ist das Gespräch zwischen Posa und dem König im 10. Aufzug des 3. Aktes. Der König, unwissend von den wahren Zielen des Marquis, ist auf diesen ob seiner Bescheidenheit aufmerksam geworden und möchte ihn persönlich kennen lernen. Posa sieht darin die Chance seines Lebens: Was der König/ Mit mir auch wollen mag, gleichviel! - Ich weiß,/ Was ich mit dem König soll - Und wär s/ Auch eine Feuerflocke Wahrheit nur,/ In des Despoten Seele kühn geworfen -/ Wie fruchtbar in der Vorsicht Hand! (Z. 2966ff.) Im Gespräch treffen nun die Vertreter zweier völlig verschiedener Weltanschauungen aufeinander. Der Marquis ist durchdrungen von einem positiven Menschenbild: Der Mensch ist mehr als Sie von ihm gehalten (Z. 3188) entgegnet er dem König, bevor er zu seiner legendären Forderung ausholt, die ihren Platz im Olymp der deutschen Literaturgeschichte sicher hat: Ein Federzug von dieser Hand, und neu/ Geschaffen wird die Erde. Geben Sie/ Gedankenfreiheit- (Z. 3214ff.). Der König ist zwar beeindruckt, doch schon seine unmittelbare Reaktion verrät, was er vom Marquis hält: Sonderbarer Schwärmer! (3116), um dann sein Bild des Menschen zu offenbaren: Ihr werdet anders denken, kennet Ihr/Den Menschen erst, wie ich (Z. 3293f.).Am Ende des Stücks hat der Großinquisitor, die Verkörperung der alten Ordnung, seinen furchterregenden Auftritt und ruft den schwankenden König zur Ordnung: Gib die Gewissen frei von deinen Reichen,/ Wenn du in deinen Ketten gehst (Z. 5191f.), schimpft er, um kurz darauf in geradezu Eichmannscher Manier zu sagen: Wozu Menschen? Menschen sind/ Für Sie nur Zahlen, weiter nichts (Z. 5225f.). Gegen diesen machtpolitischen Realismus hat der freiheitsliebende Idealismus keine Chance. Fazit: Don Karlos erschien 1787, zwei Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution. Schiller gelang es, in der Figur des Marquis de Posa die zwei Seiten der Revolution zu antizipieren. Einerseits der Idealismus der bürgerlichen Träger der Revolution, andererseits aber auch die Bereitschaft zum Zwecke der Durchsetzung der eigenen Ziele, Kompromisse mit den eigenen Werten und Idealen zu schließen, eine Einstellung die Robespierre 1794 mit der Formulierung Despotismus der Freiheit bezeichnete. Was bleibt, ist ein ewig aktueller Klassiker der deutschen Literatur. Empfohlen sei an dieser Stelle auch die 2006 erschienene Biografie über Schiller und sein Werk Friedrich Schiller: Oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus von Rüdiger Safranski, die mich erst dazu gebracht hat, mich an die Werke des Dichters zu wagen.

Don Karlos - Konflikte über das Königreich! - Don Karlos von Friedrich Schiller beschreibt die Situation im 16. Jahrhundert in Spanien. F. Schiller wurde die Aufgabe gegeben, ein Stück zu schreiben, was theatertauglich und zudem eine dramatische Folge hat. Schiller nahm die Aufgabe sehr ernst und beschloss sich, ein Fünf-Akt-Drama zu gestalten, welches die verschiedenen Konflikte in einem Königreich beherbergt. Auch die Situation in einem Königreich läuft schon fast wie die Tage, die jeder andere Mensch auch mit sich zu ziehen hat. Demnach werden in Don Karlos die Konflikte Liebe, Freundschaft, Familie, Kirche und Gesellschaft beschrieben. Diese Konflikte entstehen nicht alle nacheinander, sondern finden alle gleichzeitig statt. Die ehemale Affäre zwischen Don Karlos und der jetzigen Gattin des König Philipps gibt der Situation und den verschiedenen Konflikten das, was das Drama braucht.Die Sprache des Buches ist sehr schwierig und ziemlich alt deutsch geschrieben. Wer das Buch verstehen möchte sollte sich nebenbei auch den Lektüreschlüssel mitbestellen.

Klassiker im Deutschunterricht - Don Carlos von Friedrich Schiller ist neben Wilhelm Tell das berühmteste Werk von ihm. Es wird immer wieder in Deutschunterricht gelesen und ihm zu entrinnen ist beinahe unmöglich. Hier die Handlung in Kürze:Mitte des 16. Jahrhunderts ist Spanien die stärkste katholische Macht Europas. Don Carlos, der Sohn König Philipps II., liebt heimlich seine Stiefmutter Elisabeth, die ursprünglich ihm bestimmt war, jetzt aber seinem Vater eine treue Gemahlin ist.Marquis Posa, ein Jugendfreund des Prinzen, versucht Carlos aus seiner Hoffnungslosigkeit zu reißen, indem er ihn auf den Terror aufmerksam macht, mit dem die spanischen Truppen gegen die Bevölkerung der niederländischen Provinzen vorgehen. Der Thronfolger- so der Plan des Marquis- solle sich der Unterdrükten annehmen und dadurch einen neuen Sinn im Leben finden.Doch er scheitert aus mehreren Gründen:Domingo, der königliche Beichtvater, und Herzog Alba, ein brutaler Feldherr, sorgen isch um ihre Machtposition bei Hofe und intrigieren gegen Carlos beim König,Die Prinzessin Eboli, deren Liebe Karlos verschmäht, schließt sich dem komplott an. Nicht zuletzt ist es Karlos sclber, der durch seine unbedachte Handlungsweise den Plan zum Scheitern bringt.Don Carlos ist ein aufwendig gestalltetes Familiendrama von Schiller, auch wenn die historischen Fakten recht ungenau sind.Insgesamt gebe ich 4 Sterne für das Buch, weil die Handlung doch sehr verworren ist und man teilweise den roten Faden verliert. Außerdem ist das Buch sehr anspruchsvoll und so auch nicht unbedingt eine Freizeitslektüre. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen, weil ich einfach finde, dass solche Klassiker von einem der größten deutschen Dichter und Schriftsteller gelesen werden sollten, da sie doch keinen geringen Teil in unserer Gesellschaft ausmachen - oder besser ausmachen sollten.Also: Viel Spaß beim Lesen!

In jeder Hinsicht schwierig - Meiner Meinung nach ist Don Carlos alles andere als ein leichtes Buch. Ich habe es vor kurzer Zeit in der Oberstufe im Grundkurs Deutsch gelesen und muss sagen, dass mich der verehrte Schiller da doch etwas enttäuscht hat. Da ich einige Jahre zuvor bereits Die Räuber von ihm gelesen und mir dieses Buch sehr gut gefallen hatte, hatte ich recht große Erwartungen an dieses Drama, vielleicht zu große. Der Inhalt des Dramas, der in der vorherigen Rezension bereits ausreichend beschrieben wurde, ist derartig unrealistisch, dass man hier selbst mit größter Toleranz und Respekt vor Schillers Können nur den Kopf schütteln kann. Die tatsächliche Geschichte der Protagonisten, von denen die meisten tatsächlich gelebt haben, wurde extrem verändert, was ja noch akzeptabel und auch verständlich gewesen wäre, wenn er denn wenigstens ebendiesen Charakteren realistische Züge verliehen hätte. Doch Fehlanzeige. Ihr Verhalten ist wenig nachvollziehbar, aufgeblasen und übertrieben und oft sogar regelrecht lächerlich.Auch die Sprache ist, wie allerdings oft bei Schiller, sehr realitätsfern und baut eine große -und vor allem unnötige- Distanz zwischen Leser und Charakteren auf. Dies ist, wenn überhaupt, nur eingeschränkt auf die Zeit zurückzuführen, in der Schiller gelebt hat. (Tatsächlich wurde bereits damals seine übertriebene Sprache kritisiert!)Die aufklärerische Botschaft, die der Autor verbreiten will, war (und ist?) durchaus gewagt und interessant, vor allem gut verkörpert durch den ehrenwerten Marquis von Posa, nach dem das Stück meiner Meinung nach eigentlich benannt hätte werden müssen. Doch gerade als dieser auf dem Höhepunkt seiner geistigen Ergüsse angelangt ist, wird der Leser doch noch aus seinen schönsten Schiller-kriegt-doch-noch-die-Kurve-Träumen gerissen und muss diesen Satz lesen: Geben Sie Gedankenfreiheit!, den der aufgebrachte Posa dem König ins Gesicht schleudert. Unglaublich, dass dieser Satz einer der bekanntesten, wenn nicht DER bekannteste aus dem gesamten Drama werden sollte.Es klingt sicher kleinlich und sollte vielleicht schlichtweg überlesen werden, aber zumindest einem Friedrich Schiller darf es einfach nicht passieren, Gedankenfreiheit mit Meinungsfreiheit zu verwechseln. Oder wurden damals selbst die Gedanken der Menschen kontrolliert? Und selbst wenn tatsächlich Gedankenleser am Werk gewesen wären, hätte der Satz alles andere als in den Gesamtkontext passt! Insgesamt also, wie zu Anfang bereits erwähnt, ein eher schwieriger Fall, in jeder Hinsicht. Schwierige Sprache, schwierige Geschichte und vor allem schwierig, nicht zumindest ein wenig sauer auf Schiller zu sein. Leider für mich (als jemand, der seine Werke immer gut bist zumindest akzeptabel fand) auch das erste seiner Dramen, das die Frage aufwirft, was an dem Mann denn bitte so toll gewesen sein soll. Ganz knapp noch zwei Sterne wert. Schade.

Don Carlos - Das Drama Don Carlos von Friedrich Schiller, handelt von Intrigen und Konflikten am spanischen Hof um 1787. Es ist ein wichtiges Werk Schillers, welches zwischen den Epochen des Sturm und Drang und der Klassik entstand. Die Hauptfiguren sind alle adelig, hier wird die Seite der Klassik vertreten. Carlos, der Kronprinz Spaniens, leidet unter der Ehe seines Vaters, König Phlipipp 2., mit Elisabeth von Valois, welche ursprünglich ihm versprochen war. Aus diesem Grund ist diese Beziehung zwischen Vater und Sohn sehr distanziert. Philipp traut seinem Sohn nicht und verlässt sich auf seine Grande, zB Herzog von Alba. Marquis von Posa, Jugendfreund Carlos , kehrt nach langer Zeit aus den Niederlanden zurück und erinnert Carlos an ihre früheren Ziele und Ideale ((Gedanken-) Freiheit) und versucht ihn davon zu überzeugen an diesen festzuhalten und diese durchzusetzen. Das Thema an sich ist interessant, durch die altmodische Sprache und den vielen Konflikten, die sehr schwer zu überblicken sind, ist es sehr anstrengend, das Buch zu lesen und sich dafür zu begeistern.Für Hobbyleser ist dieses Buch nicht zu empfehlen, denn es nimmt viel Zeit in Anspruch sich einen Überblick (ohne Lektürenschlüssel) zu verschaffen.




Reclam Universal-Bibliothek, Nr.38, Don Karlos, Infant von Spanien